Die schwarzen Gebirgspferde aus den Pyrenäen, in Frankreich auch liebevoll "Le Prince noir" (der schwarze Prinz) genannt, sind eine sehr alte bodenständige Rasse. Im Ursprungsgebiet der Mérens, das Departement "Ariege" in Südfrankreich sind Höhlenzeichnungen von mérensähnlichen Pferden zu bewundern.

Im gallischen Krieg waren sie die Kriegspferde der Kelten; Julius Caesar schrieb: "Die wilden Krieger waren mit herrlichen schwarzen Pferden, mehr solid als schnell, beritten ... ".

Jüngeren Datums sind die Aufzeichnungen vom Rückzug der Napoleonischen Armee aus Russland, bei dem fast alle Pferde eingebüßt wurden. Nur die mit Mérens bespannte Artillerie kam durch.


Bergdorf in der Ariége

Die Pferde wurden nach dem in der Nähe von Andorra gelegenen Dörfchen Mérens benannt. Früher war die offizielle Bezeichnung "Poney Ariegeois de Mérens" (Mérens Pony), seit 1999 werden die Mérens in Frankreich offiziell als Warmblüter und Pferde geführt, die offizielle Bezeichnung ist nun "Cheval de Mérens" (Mérens Pferd).

                           

                      Lupin de Vivies                                               Deckhengst Kit im Besitz von Jonny Siebens

Die Mérens dienten den Bergbauern aus der Gegend um Ax-le-Therme, Les Cabannes, Querigut und Tarascon, in der Nähe von Andorra, als genügsame und fleißige Arbeitspferde vor dem Pflug, für die Arbeit im Wald und natürlich vor dem Wagen für die sonntägliche Fahrt zur Kirche.
Ihre Trittsicherheit, Ausdauer, Robustheit und stahlharten Hufe, erhalten sie durch die Lebensbedingungen in halbwilden Herden in den Steilhängen der Pyrenäen. Die Zuchtstuten verbringen das ganze Jahr mit ihren Fohlen auf den Berghängen der Pyrenäen, wo sie im Frühjahr Gesellschaft von den gekörten Deckhengsten bekommen.

 

Halbwilde Pferde in den Pyrenäen

Wegen Ihre Robustheit und Trittsicherheit und nicht zuletzt wegen Ihrer schwarzen Farbe waren sie in früheren Zeiten bei den sehr aktiven Schmugglern beliebt, die die Pferde in dem unwegsamen Gebirge zwischen Frankreich und Spanien gerne als Packpferde einsetzten.

Durch die Reduzierung und Mechanisierung der Landwirtschaft war die Rasse Anfang des 20. Jahrhunderts vom Aussterben bedroht. Mit staatlicher Hilfe und durch private Fürsorge konnte der Untergang der Rasse verhindert werden. Vor einigen Jahren galt der Bestand mit ca. 5.000 Pferden als gesichert. Die Zucht wird in Frankreich vom Zuchtverband SHERPA betreut. Mit ca. 200 - 300 Pferden gilt die Rasse in Deutschland eher als exotisch. In den letzten Jahren ist der Bestand wieder besorgniserregend zurückgegangen, im Jahr 2000 gab es noch 1.198 registrierte Zuchtstuten, 2015 waren es nur noch 485.

 

Jährliche Körungen in Bouan, Frankreich

Die Lernwilligkeit der Mérens gepaart mit ihrer Kraft, ihre Geduld und den sanften Charakter machen sie zum angenehmen Freizeitkamerad für Reiter verschiedener Reitweisen. Sie werden gerne als Wanderreitpferde, auch für anspruchsvolle Trekkingritte, aber auch in allen anderen Sparten der Reiterei eingesetzt. Mit entsprechender Ausbildung machen die Pferde eine gute Figur sowohl im Dressurviereck als auch beim Westernreiten und sogar beim Springen.

    

Mérenswallach in der Dressur         Lima de Petitoi unter Katharina Vitt

Im Voltigiersport führte die Frau Pipeau Ihre Voltigiergruppe mit dem Deckhengst "Apache de Noyeras" zum französischen Meister, im Fahrsport stellten Mérensgespanne mehrfach den französischen Meister.

Das "Cheval de Mérens" ist etwa 135 bis 155 cm groß und gleichmäßig schwarz, weiße Abzeichen sind nur am Kopf erlaubt. Das Mérens hat einen ausdrucksvollen Kopf mit großen Augen. Mähne, Schweif und Fesselbehang sind üppig, dicht und häufig gelockt. Sie haben einen breiten Rücken und sehr stabile Beine mit nicht zu kleinen Hufen. Die größeren Pferde sind durchaus in der Lage auch große und schwere Reiter bis zu einem Gesamtgewicht von ca. 100 kg zu tragen. Durch Ihre kräftige Statur decken sie den Reiter gut ab.

Die Pferde sind leichtfuttrig und anspruchslos, allerdings braucht ein Mérens viel Platz und Bewegung an der frischen Luft und ist sehr dankbar für eine Unterbringung in einem Unterstand auf der Wiese oder in einer Box mit freiem Zugang zu einem Paddock. Sie fühlen sich im Herdenverband sehr wohl und schätzen die Unterbringung in der Box oder als Einzelgänger nicht.
Mérens brauchen eine konsequente aber nicht zu harte und geduldige Hand und sind, bei entsprechender Ausbildung, auch für jugendliche Reiter ab ca. 12 - 14 Jahren einsatzfähig. Sie fühlen sich im Gelände allgemein deutlicher wohler als in der Reithalle und sind nicht schreckhaft. Sie brauchen, lange bis sie sich an "ihren" Menschen gewöhnt haben, aber dann hat man einen Freund für's Leben.

Außer in Frankreich (auch im Elsaß) gibt es eine anerkannte Zucht in den Niederlanden, in Belgien und in Italien. In Deutschland gibt es mehrere Züchter, o. a. in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, und Sachsen. Die Rasse wird betreut durch die "Interessengemeinschaft Cheval de Mérens".

Weitere Infos bekommen Sie von: Betsy Zwicknagl und Dr. Barbara Krebs-Breuer